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9. Januar 2026
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Geduld
Liebe/r healing formula User.in,
kürzlich erhielt ich als Geschenk eine wunderschöne japanische Kalligraphie. Die Schriftzeichen standen prächtig auf dem Papier, aber ich wusste natürlich nicht, was sie bedeuten.
Allerdings stand auf der Verpackung die Lösung. GEDULD Wenn ich ein Wort hasse, dann ist es dieses. Es ist zum Synonym der Schludrigkeit einer ganzen Gesellschaft geworden. Eine endlose Kette von Geduld-Erwartungen hindert das Vorwärtskommen: beim Arzt, in der Bahn, bei den Behörden, beim Callcenter, auf der Straße, mit den Migranten, bei Putins Krieg, in meinen Beziehungen – und schließlich auch noch bei der Meditation.
Wer soll das aushalten, diese frustrierende Kaskade von Geduld? Ja, es gibt Dutzende Zen-Geschichten wie diese: »Wie lange brauche ich zur Erleuchtung?« »Vielleicht fünf Jahre ...?« »Oh je, das ist viel zu lange, so viel Zeit habe ich nicht, ich werde mir super Mühe geben!« »Dann brauchst du mindestens zehn Jahre.«
Heißt das nun, wir sollen ein Leben in geduldiger Gelassenheit führen, always easy going ...? Ja und Nein. Geduld gehört zu den fiesesten Koans, die ich kenne. Denn einerseits geschieht alles einfach so – irgendwann. Andererseits, von nichts kommt nichts. Wie wäre es mit dieser Idee: Geduld als eine Kunst zu sehen?!
Nämlich die Kunst, unsere inneren Freiräume zu gestalten. Auf diese Weise würden meine inneren Ressourcen nicht von der Ungeduld gefressen, sondern wären eine Aufforderung zur kreativen Gestaltung.
Ja, ich weiß, auch das ist nicht so ganz einfach. Allerdings besser, als wenn ich die schöne Kalligraphie im Schrank verstecke.
Alles Gute für ein geduldiges neues Jahr.
Gassho Paul
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